Ich bin Baujahr 1965.
2024 hatte ich einen Schlaganfall, bekam Stents und zusätzlich einen Bandscheibenvorfall. Nach Reha und IRENA im Jahr 2025 geht es mir heute deutlich besser. Trotzdem – oder gerade deshalb – mache ich mir Gedanken über die Zukunft. So wie viele andere in meinem Alter auch.
Was habe ich daraus gelernt?
Dass es schnell gehen kann. Unerwartet. Und dass es nicht „die anderen“ trifft, sondern einen selbst.
Es kam nicht aus dem Nichts.
Es kam, weil ich mich über Jahre nicht konsequent um meinen Körper und meine Gesundheit gekümmert habe – trotz besseren Wissens. Ich habe früher viel Sport gemacht und mich phasenweise gesund ernährt. Aber eben nicht dauerhaft. Nicht verbindlich. Nicht mit dem nötigen Ernst.
Und genau dafür zahlt man irgendwann den Preis.
Würde ich heute anders handeln? Definitiv.
Nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung – mir selbst gegenüber.
„Hinterher ist man immer schlauer“ trifft es leider sehr gut.
Genau deshalb schreibe ich diesen Text.
Nicht, um zu belehren.
Nicht, um Mitleid zu bekommen.
Sondern um wachzurütteln.
Wenn du ihn liest und kurz inne hältst, dein eigenes Leben reflektierst und dir ehrlich die Frage stellst, wo du stehst – dann erfüllt dieser Text seinen Zweck.
Die Entscheidung, was du daraus machst, liegt bei dir.
Ich gehöre zu einer Generation, die früh ins Arbeitsleben eingestiegen ist und über Jahrzehnte funktioniert hat. Arbeiten, Verantwortung tragen, durchhalten. Jetzt rückt für viele der verdiente Lebensabend näher – Rente, mehr Freizeit, weniger Verpflichtungen.
Was dabei oft unterschätzt wird:
Neben Geld und Zeit wird plötzlich Gesundheit zum entscheidenden Faktor. Nicht abstrakt, sondern ganz konkret. Die Frage lautet nicht mehr, ob man Zeit hat – sondern, wie belastbar der eigene Körper noch ist.
Viele wollten im Berufsleben fit bleiben, um den Job zu schaffen. Bewegung war Mittel zum Zweck. Ernährung etwas, das „meistens ganz okay“ war. Solange der Alltag lief, fiel wenig auf.
Aber sollte man all das mit dem Ende des Arbeitslebens einfach fallen lassen?
Nein.
Im Gegenteil.
Gerade im Alter wird es entscheidend, die eigene Lebensqualität aktiv zu erhalten. Nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern um möglichst lange autark zu bleiben. Ohne Pflegedienst. Ohne Abhängigkeit. Mit einem Körper, der den Alltag noch trägt – und nicht einschränkt.
Der Arbeitsalltag hat über Jahre für Struktur gesorgt.
Feste Zeiten, Aufgaben, Verantwortung. Mit dem Eintritt in die Rente fällt diese Struktur plötzlich weg.
Viele unterschätzen, was das bedeutet.
Nicht nur der Job verschwindet, sondern auch ein großer Teil der täglichen Bewegung, der geistigen Anforderung und des Gefühls, gebraucht zu werden. Was bleibt, ist viel Freiheit – aber auch viel Leere, wenn man sie nicht bewusst füllt.
Manche fragen sich dann: Wozu werde ich eigentlich noch gebraucht?
Die ehrliche Antwort lautet: von dir selbst.
Denn jetzt bist du in der Verantwortung, dich um deinen Körper und deine Gesundheit zu kümmern. Nicht irgendwann, sondern genau in dieser Phase. Damit der wohlverdiente Lebensabend nicht nur Zeit bietet, sondern auch Lebensqualität.
Wer sich körperlich und geistig vernachlässigt, rutscht schleichend in Einschränkungen hinein – oft ohne es zunächst zu merken. Und irgendwann steht man genau dort, wo man nie hinwollte.
Deshalb ist es sinnvoll, sich rechtzeitig eigene Routinen zu erarbeiten. Für Bewegung, für Ernährung, für geistige Aktivität.
Genauso bewusst und vorausschauend, wie viele ihre finanzielle Seite geplant haben.
Wir werden alle alt.
Der eine bleibt lange beweglich und selbstständig, der andere verliert früh an Kraft, Beweglichkeit und Belastbarkeit. Ein Teil davon ist genetisch bedingt – ein großer Teil jedoch die Folge dessen, wie wir vorher mit unserem Körper umgegangen sind.
Der entscheidende Punkt ist nicht das Alter an sich, sondern der Umgang mit Funktion.
Muskulatur, Kraft und Beweglichkeit verschwinden nicht plötzlich. Sie bauen sich schleichend ab, wenn sie nicht regelmäßig genutzt werden.
Wer seine Muskulatur nicht fordert, verliert sie.
Wer sich wenig bewegt, verliert Beweglichkeit.
Und wer seinen Körper nicht mehr ausreichend versorgt, beschleunigt diesen Prozess zusätzlich.
Gerade im Alter wird dieser Zusammenhang sichtbar. Auch wenn der Appetit nachlässt, braucht der Körper weiterhin Nährstoffe. Mehr noch: Bestimmte Dinge, vor allem Protein, werden schlechter verwertet – der Bedarf steigt, nicht sinkt.
Deshalb ist Bewegung und Ernährung im Alter wichtiger als in jungen Jahren.
Nicht wegen Optik. Nicht wegen Fitness. Sondern wegen Lebensqualität.
Einen guten körperlichen Zustand zu erhalten ist ungleich leichter, als einen verlorenen wieder aufzubauen. Prävention ist kein Luxus, sondern der einfachere Weg.
Und wann sollte man damit beginnen?
Nicht erst dann, wenn Einschränkungen spürbar werden.
Sondern idealerweise schon in den 50ern – spätestens mit 60. Also vor der Rente. Genau dann, wenn viele noch Zeit, Handlungsspielraum und Entscheidungsfreiheit haben.
Die Rente ist geregelt.
Das Einkommen reicht.
Zeit ist plötzlich im Überfluss da.
Und trotzdem fühlt sich das Leben kleiner an, als man es sich vorgestellt hat.
Reisen werden anstrengend.
Alltägliche Dinge kosten mehr Kraft.
Der Körper setzt Grenzen, obwohl der Kopf voller Pläne ist.
Viele denken in diesem Moment: Hätte ich doch früher mehr für meine Gesundheit getan.
Nicht aus Reue, sondern aus der nüchternen Erkenntnis, dass Zeit und Geld allein keine Lebensqualität garantieren.
Vorsorge endet nicht bei der finanziellen Absicherung.
Wer nur für die Rente spart, aber den eigenen Körper vernachlässigt, hat am Ende zwar Freiheit auf dem Papier – aber Einschränkungen im Alltag.
Genau darum geht es hier.
6. Warum ich keinen Bock auf Rollator habe
Wer hat schon Lust auf einen Rollator? Wahrscheinlich niemand.
Und gleichzeitig ist er eine sinnvolle Hilfe, wenn er gebraucht wird. Daran gibt es nichts zu beschönigen oder zu verurteilen.
Aber der Rollator steht nicht für ein einzelnes Ereignis.
Er steht für das Ende einer Entwicklung, die oft Jahre vorher begonnen hat.
Nicht plötzlich.
Nicht über Nacht.
Sondern schleichend – durch Bewegungsmangel, durch Muskelabbau, durch Vernachlässigung des eigenen Körpers.
Genau deshalb geht es nicht darum, Hilfsmittel abzulehnen.
Es geht darum, den Zeitpunkt, an dem man sie braucht, so weit wie möglich hinauszuschieben.
Nicht aus Stolz.
Nicht aus Angst.
Sondern aus dem Wunsch heraus, möglichst lange selbstständig zu bleiben.
Darum habe ich keinen Bock auf den Rollator.
Nicht, weil er schlecht ist – sondern weil ich weiß, wofür er oft steht.
Dieser Text richtet sich an Menschen, die bereit sind, Eigenverantwortung für ihr Leben und ihre Gesundheit zu übernehmen. An Menschen, die verstehen, dass Lebensqualität nicht delegierbar ist und sich nicht allein über Medikamente, Diagnosen oder äußere Umstände regeln lässt.
Er ist für Menschen, die hinschauen wollen.
Die bereit sind, sich selbst ehrlich zu begegnen – auch dann, wenn der Spiegel unbequem ist.
Dieser Text ist nicht für diejenigen gedacht, die Verantwortung grundsätzlich abgeben möchten. Nicht für Menschen, die jede Veränderung vermeiden und darauf hoffen, dass sich Dinge von selbst regeln.
Das ist keine Wertung.
Es ist eine bewusste Abgrenzung.
8. Lebensqualität bewahren ist eine Entscheidung
Lebensqualität bleibt nicht einfach erhalten.
Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen – oder von deren Ausbleiben.
Abwarten ist dabei keine neutrale Haltung.
Wer nichts entscheidet, entscheidet sich unbewusst für den Status quo. Und der bedeutet im Alter meist: schleichender Abbau.
Es geht nicht um Extreme und nicht um Perfektion.
Es geht darum, dem eigenen Körper regelmäßig das zu geben, was er braucht: Bewegung, Kraftreize, ausreichende Versorgung. Nicht als kurzfristiges Projekt, sondern als dauerhafte Haltung.
Muskulatur bleibt nur erhalten, wenn sie genutzt wird.
Beweglichkeit bleibt nur, wenn man sich bewegt.
Und Gesundheit bleibt nur, wenn man ihr Raum gibt.
Diese Entscheidungen trifft niemand für dich.
Und sie lassen sich auch nicht auf später verschieben, ohne einen Preis zu zahlen.
9. Ein offenes Ende
Was du aus diesem Text machst, liegt bei dir.
Nicht morgen. Nicht irgendwann. Sondern in den Entscheidungen, die du heute triffst.
Die Frage ist nicht, ob du älter wirst.
Sondern, wie.
Was änderst du jetzt an deinem Leben – und an deinem Verhalten?
ÜBER MICH
1965 auf Kohle und Stahl geboren und seit den 90er mit dem Internet aufgewachsen. Ein wenig nerdig und ein Monk steckt in mir. Thats it!
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